Samstag, 28. Januar 2012

Kalifornische Wohnungen

Nach inzwischen vier Monaten in einer kalifornischen Wohnung sind ein paar Bemerkungen zu hiesigen Mietwohnungsstandards erlaubt. Es werden die meisten schon selbst die Erfahrung gemacht haben, dass deutsche und Schweizer Standards in anderen Ländern eher nicht übertroffen werden. Irgendwie kann man ja auch verstehen, dass es in wärmeren Regionen mit dem Isolieren nicht so genau genommen wird. Aber warum muss ich im 21. Jahrhundert in einem Land, das sich als überaus fortschrittlich begreift, in der eigenen Wohnung abwechselnd frieren und schwitzen?
Letztes Wochenende hat es nach langer Zeit mal wieder richtig geregnet und wir haben zur Abwechslung in Berkley gefroren, wo wir bei Joseph, einen Freund aus Zürcher Tagen, in seinem Zimmer unterm Dach untergekommen waren. Zurück in Santa Barbara kamen mit der Sonne auch ungewöhnlich sommerliche Temperaturen und unsere Wohnung verwandelte sich über Mittag wieder in eine Sauna.

Hier die temperaturregelnden Highlights unserer Wohnung:

Jalousiefenster
Als wir frisch eingezogen waren, fanden wir diesen Fenstertyp vor allem kurios. Je kühler die Herbstabende wurden und je unangenehmer die Zugluft, desto zweifelhafter kam uns diese Erfindung vor.

Der Wikipedia-Artikel spricht von einer Eignung für unbeheizte Veranden und verweist auf die Unmöglichkeit, eine gute Dämmung zwischen den einzelnen Scheiben zu erreichen.
Das unisolierte Dach
Die überdurchschnittliche Zimmerhöhe und die Holzbalkendecke haben uns auf Anhieb gefallen, nur leider gehören dazu auch schnelles Aufheizen am Tag und empfindliches Abkühlen über Nacht. Das Loch im Dach, das den Dunstabzug der Küche darstellt, und die lautstarke Übertragung von Krähenzusammenkünften auf dem Dach sind da nur Beiwerk.


Der Ofen/ die Heizung
Und wo wir schon beim Dunstabzug waren, gleich noch ein Wort zum Backofen. Dieser Gasherd ist eindeutig amerikanische Traditionsarbeit. Auch der größte Truthahn hat hier Platz. Und will man nur etwas auftauen oder leicht erwärmen, muss man den Ofen noch nicht einmal anmachen, denn die Flamme brennt immer auf niedriger Stufe und sorgt für wohlige Temperaturen im Inneren und drum herum.
Nach dem gleichen Prinzip funktioniert unsere Gasheizung aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts.


Damit habe ich einige der Mängel unserer Wohnung meines Erachtens anschaulich dargestellt. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass sich das Mitleid meiner deutschen Leser in Grenzen halten wird. Vielleicht liegt es daran, dass während uns ein Sonntag mit rund 20 Grad erwartet, für Deutschland Temperaturen um den Gefrierpunkt angekündigt wurden?

Kommentare:

  1. Ach du liebe Zeit! Wo man in Amerika doch sonst eigentlich recht fortschrittlich ist. Naja, beim Energiesparen können sie von den Europäern noch etwas lernen. Da fallen mir sofort die riesigen Spritschlucker ein. Aber sie scheinen es nicht anders zu kennen. Ich weiß noch, dass ein amerikanischer Besuch von mir immer in Panik verfallen ist, wenn er mit mir Auto fahren sollte - nicht wegen meines Fahrstils, sondern weil mein Auto (damals ein Twingo) ihm zu klein und unsicher war ... ;)

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  2. Klagen auf hohem Level. Aber ich kann euch gut verstehen - Hitze und Durchzug sind die Hölle auf Erde.
    Hanne

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